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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Sie flogen für Deutschland und starben in Westafrika - Die Grabstätte der Bathurst-Flieger in Ohlsdorf

Bathurst, bis 1973 der Name für die Hauptstadt Gambias Banjul in Westafrika, war 1938 Ziel eines 40sitzigen Passagierflugzeuges der Lufthansa vom Typ Junkers Ju 90 D-AJVJ, getauft auf den Namen PREUSSEN.

Es sollte mit 15 Besatzungsmitgliedern und Ingenieuren den Transatlantikflug nach Südamerika unter tropischen Verhältnissen erproben. Der Flug nach Buenos Aires führte über Marseille, Las Palmas zunächst nach Dakar mit einem Abstecher am 26. November nach Bathurst. Beim Start zum Rückflug am gleichen Tag stürzte das Flugzeug nach Berührung einer Palme am Rande des Flugplatzes ab, zerschellte am Boden und verbrannte. Nur vier der Insassen konnten lebend, aber verletzt geborgen werden. Die elf anderen wurden in Bathurst (vorläufig) beigesetzt. Als wahrscheinliche Ursache ermittelte später die Inspektion für Flugsicherheit des Reichsluftfahrtministeriums einen Ausfall des linken Außenmotors wegen unterbrochener Kraftstoffzufuhr.

An der Entwicklung dieses Flugzeuges, für die damalige Zeit ein Jumbo-Jet, und anderer Typen waren die Deutsche Lufthansa, die Bayerischen Motorenwerke und die Junkers Flug- und Motorenwerke beteiligt. Die Finanzierung erfolgte durch das Deutsche Reich. Das mag auch erklären, dass zum Zwecke der Beisetzung in heimatlicher Erde auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg vom Reichsluftfahrtministerium "auf Friedhofsdauer" zwölf Gruftzellen zur Nutzung erworben wurden (ein Verletzter war inzwischen verstorben). Die feierliche Beisetzung von elf Toten fand am 5. Januar 1939 mit militärischen Ehren statt. Sichtet man die Fülle von Zeitungsmeldungen, öffentlichen Beileidsbekundungen und Fachbeiträgen zum Unglück, so sind sie vom nationalen Pathos der NS-Zeit geprägt. Kaum bekannt ist, dass vier der in Hamburg Beigesetzten alsbald auf Friedhöfe in Berlin, Bremen und Dessau überführt wurden. Dennoch nennen zwölf Grabplatten die Namen aller Verunglückten.

Im Dezember des gleichen Jahres lagen für ein Erinnerungsmal Entwürfe des Hamburger Künstlers Ludwig Kunstmann vor. Man entschied sich für einen sieben Meter hohen Obelisken aus Muschelkalk mit der erhabenen Inschrift: Sie / flogen / für / Deutsch- / land / Bathurst / 26. / November / 1938. Er wurde Ende 1941 inmitten der ringförmig angeordneten und mit Sandsteinplatten abgedeckten Gruftzellen aufgestellt. Im oberen Bereich sind an den vier Seiten das Luftwaffenhoheitsabzeichen und die Firmenzeichen der DLH, BMW und JFM herausgearbeitet.

Der Obelisk, damals ein Monument von nationaler Bedeutung, steht in H 6 an der Bergstraße und in Sichtkontakt mit dem Grabmal für den 1927 verunglückten Kunstflieger Paul Wilhelm Bäumer.

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Katastrophen und Unglücksfälle (Mai 2009).
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