OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Tierfriedhöfe in Berlin und Kornwestheim

 - Februar 2005
Ausgabe: 
Nr. 88, I, 2005

In und bei Berlin gab es bereits in den 1920er-Jahren Tierfriedhöfe. Wedding, Stolzenhagen und Stahnsdorf seien hier genannt.

Etwa 50 Jahre lang bis zum Jahr 2000 bot dann der Tierschutzverein Berlin seinen Mitgliedern die Möglichkeit, ihre Haustiere beim Tierheim Lankwitz bestatten zu lassen. Der heutige Standort in Falkenberg/Hohenschönhausen ist für viele Tierliebhaber jedoch schlecht zu erreichen. Diese Marktlücke haben zwei in der Bestattungsbranche kundige Männer erkannt und die Silence KG, Berliner Haustier Bestattungen, gegründet. Vermutlich wird auch der Tod ihrer Hunde sie zu diesem Schritt bewogen haben.

Anfang 2003 eröffneten sie dann den Berliner Tierfriedhof an der Schätzelstraße in Berlin-Tempelhof. Das parkartige Gelände ist verkehrsgünstig gelegen und befindet sich auf Teilflächen der ehemaligen Bezirks- und Friedhofsgärtnerei mit Erweiterungsmöglichkeiten. Auf etwa 800 Grabstellen kann in Einzel- oder Gemeinschaftsgräbern bestattet werden. Die Gräber werden für zwei Jahre vergeben. Bei Bedarf ist eine Verlängerung oder erneute Belegung möglich. Es werden zahlreiche Leistungen angeboten, die von der Abholung des Tieres bis zur Erteilung eines Zertifikates über die erfolgte Bestattungsart reicht. Denn auch eine Einäscherung des geliebten Haustieres in einem „anerkannten deutschen Tierkrematorium“, so der Wortlaut des Angebotes, ist möglich. Zum Bestatten der Tiere sei darauf zu achten, dass sie in Baumwoll- oder Leinentücher eingehüllt bzw. in Pappkartons oder Holzkisten gelegt werden. Bei der Auswahl der letzten Hülle wird auf die Mitwirkung von Kindern zum Zwecke ihrer Trauerbewältigung hingewiesen.

Auch die Betreiber eines Tierfriedhofs nutzen das Internet für ihre Werbung. So ist auf der ersten Webseite der Silence KG zu lesen: „Aus der gefühlsbetonten Partnerschaft zwischen Mensch und Haustier erwächst ein natürlicher Anspruch des Tieres auf Pflege und Sorge ein Leben lang und darüber hinaus – bis zu einem würdevollen Abschluss des Miteinanders, wenn das Tier stirbt.“

Von einem Tierfriedhof auf dem Gelände eines städtischen Friedhofs in Kornwestheim seit dem Jahr 2003 berichtet Edgar Gugenham aus Stuttgart in der Zeitschrift „Friedhofskultur“ (Ausgabe 1/2005). Er schreibt u. a.: „Die Idee, die sterblichen Überreste von Haustieren auf dem städtischen Friedhof zu beerdigen, kam dem Friedhofsverwalter Gerd Beißwinger selbst, als sein Hund das Zeitliche segnete. ... Er (der Friedhof) hat eine eigene Umgrenzung. ... (Es) müssen 500 Euro für die Bestattung eines größeren Hundes bei einer Liegezeit von fünf Jahren aufgewendet werden. Das Wahlgrab für den kleineren Pekinesen ist schon für die Hälfte zu haben, während dasjenige für den Wellensittich nur etwa 100 Euro kostet. ... Im ersten Jahr wurden auf diesem Tierfriedhof über 50 Bestattungen vorgenommen.“ Der Bericht wird ergänzt mit einer Abbildung eines kleinen blauen Grabsteins. Mit Metallbuchstaben geschrieben steht darauf: REXI SCHLAF GUT.

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