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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Titelthema

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Trauern und Gedenken online

Das Internet und die digitale Welt, Social Media und Online-Plattformen spielen eine immer wichtigere Rolle im Leben und Alltag von Menschen.
Immer mehr Bereiche werden um einen virtuellen Faktor erweitert. Und auch im Umgang mit Trauer sind verschiedene Phänomene im Internet zu beobachten, etwa Online-Todesanzeigen, digitale Friedhöfe, aber auch Gedenkseiten und Trauer- und Erinnerungsaktivitäten auf Facebook.

Facebook als Ort der Trauer und Erinnerung

Jonas Togler ist 17 Jahre alt, als er im Juni 2011 beim Baden mit Freunden nicht mehr aus dem Baggersee auftaucht. Seine Kumpels glauben zunächst an einen Streich – nicht unüblich für den aufgedrehten, lebenslustigen Teenager, einen sportlichen Draufgänger –, vielleicht sei er heimlich an einer anderen Stelle aus dem See gestiegen und beobachte sie von dort aus kichernd bei der Suche nach ihm, denken sie. Doch wenige Stunden später bestätigt sich, was seine Mutter sofort spürte, als Jonas nicht zum Abendessen nach Hause kam: Jonas Togler ist tot.

Digitale Trauerkultur und digitales Gedenken: Eindrücke aus der Praxis

Im Zeitalter der allseitigen Digitalisierung und Durchdringung von Internetangeboten zu allen Themen dieser Welt nimmt es nicht Wunder, dass auch die Trauer zu begleiten digital in Angriff genommen wird. Aus den USA kennen wir den Trend, dass viele Menschen sich eine eigene digitale Gedenkseite schaffen, die die Erinnerung an den Verstorbenen wach halten soll.

Der Osterholzer Friedhof in Bremen und die Anfänge der Friedhofsreformbewegung

Der Osterholzer Friedhof in Bremen gehört zu den ersten Beispielen der Friedhofs- und Grabmalreformbewegung des frühen 20. Jahrhunderts.
In einem Teilabschnitt im Jahr 1916 – also inmitten des Ersten Weltkrieges – fertiggestellt, wurde er 1920 eingeweiht. Konzipiert wurde der Osterholzer Friedhof vom Gartenarchitekten und späteren Leiter des Bremer Gartenbauamtes Paul Freye (1869–1958). Die klare geometrische Struktur, der auch Wasserflächen und Bepflanzung angepasst wurden, schaffte eine übersichtliche Anlage mit streng systematisch gegliederten Gräberfeldern.

Der Reform-Friedhof Vorwerk in Lübeck

Vorwerk

Die Gestalter von Friedhöfen wollten im beginnenden 20. Jahrhundert die Welt neu schöpfen und schönere Begräbnisplätze schaffen als die "Steinwüsten" der Friedhofsanlagen des 19.Jahrhunderts. Damit ist gemeint, dass man mehr heimatliche Natur-Bezüge in den Totenlandschaften schaffen und damit ein anderes emotionales Klima auf den neu geschaffenen Friedhöfen für die Trauernden ermöglichen wollte.

Ohlsdorf – Vom Parkfriedhof zum Reformfriedhof

Luftbild Kap13

Wilhelm Cordes (1840–1917) war der erste Leiter des Ohlsdorfer Friedhofs, ab 1879 zunächst als Verwalter, ab 1898 dann als Direktor. Er gestaltete den älteren Teil des Friedhofes, heute daher allgemein als 'Cordesteil' bezeichnet. In seiner gartenkünstlerischen Planung überwog bei aller Zweckmäßigkeit das Ästhetische, Romantische. Für diese Art der Gestaltung prägte man den Begriff 'Parkfriedhof', der in Ohlsdorf untrennbar mit dem Namen Cordes verknüpft ist. Sein Nachfolger Otto Linne (1869–1937), der von 1919 bis 1933 den Friedhof leitete, setzte dagegen Grundgedanken der Friedhofsreformbewegung um, die ab etwa 1900 zu grundlegenden Neuerungen in der Friedhofsgestaltung führten.

Der Musterfriedhof und das Grabfeld mit mustergültigen Grabmälern – gestern und heute

Musterfriedhof 1

Bald nachdem Otto Linne seine eigenen Pläne für die Gestaltung des Erweiterungsgebietes in Ohlsdorf vorgelegt hatte, wurde angeregt auch hier einen Musterfriedhof anzulegen, um der Bevölkerung die neuen Grabmalideen nahe zu bringen. Seitdem auf dem Münchener Waldfriedhof 1907 erstmals Vorschriften für die Gestaltung der Grabmale erlassen worden waren, gab es in Fachkreisen eine lebhafte Diskussion um solche Musteranlagen. Gerade wenn Friedhöfe neu angelegt wurden, folgte man den Vorstellungen der Reformer, die nicht nur die Gestaltung der Anlage, sondern auch die Grabmalkunst erneuern wollten.

Tier und Tod

Cimitière des chiens

Tierfriedhöfe sind keine gänzlich neue kulturelle Erscheinung. Sie sind bereits aus prähistorischer Zeit überliefert. Zahlreiche archäologische Funde lassen darauf schließen, dass es sich bei vielen der dort bestatteten Tiere um sogenannte Opfertiere handelte. Dies trifft beispielsweise auf die Katzen-Nekropolen im Alten Ägypten zu.

Es hat uns das Herz zerrissen

Hundegrab

Tierbestattungen sind in der Menschheitsgeschichte nichts Neues. Ihnen lagen oft kultische Motive zugrunde. Die moderne Tierbestattung ist dagegen dem Bedürfnis nach einem würdevollen Umgang mit dem toten – dem eigenen – Tier entsprungen. Außerdem verleiht sie der Trauer über den Verlust des Tiers Ausdruck.

Der Tierfriedhof am Wiener Zentralfriedhof

Tierfriedhof Wien

Fährt man in Wien stadtauswärts kann man die saloppe Beschreibung von Alfred Polgar: "Die Simmeringer Hauptstraße ist die traurigste Straße Wiens", gut nachvollziehen. In der Tat, denn sie beginnt mit dem ehemaligen großen Zentralviehmarkt samt Tierschlachthallen in St. Marx und stillgelegten Bahnschienen, ab dem letzten Drittel befinden sich vermehrt Gärtnereien, Kranz- und Blumenstände, Bestattungsunternehmen sowie Steinmetzbetriebe und sie endet – mit dem Friedhof.