OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Die prominenten Toten vom St.-Jacobi-Friedhof in Hamburg-Eilbek

 - November 2009
Ausgabe: 
Nr. 107, IV, 2009

"Eilbek in Wort und Bild" ist der Titel eines kürzlich erschienenen Buches der beiden Heimatforscher Michael Pommerening und Karl-Heinz Meier.1 In Eilbek, zwischen der Hamburger City und dem Stadtteil Wandsbek gelegen, befindet sich der ehemalige St.-Jacobi-Friedhof.

Er ist heute zum Jacobi-Park umgewidmet. Nur wenige große Grabmale in diesem Park zeugen noch von der ursprünglichen Bestimmung des Geländes. Das Buch der beiden Heimatforscher widmet daher breiten Raum dem Kirchspiel St. Jacobi, einer der fünf Hauptkirchen Hamburgs, und der wiederholten Verlegung der innerstädtischen Kirchhöfe zu immer weiter vom Standort der Kirche entfernteren Plätzen. Nach Beisetzungen in und neben der Kirche wird im 14. Jh. ein zweiter Begräbnisplatz bei der Spitaler Straße angelegt. Im 16. Jh. wird ein dritter Friedhof vor dem Spitaler Tor erforderlich. Die Toten konnten aber auch dort nicht sehr lange ruhen. Die Errichtung neuer Wallanlagen machte eine Verlegung der Begräbnisse auf einen vierten Platz vor dem Steintor notwendig. Der Bau einer neuen Schanze war 1672 Ursache für eine weitere Verlegung der Begräbnisfläche im Bereich des Steintors. Dieser fünfte Jacobi-Friedhof wurde 1848 geschlossen und 1878 endgültig aufgehoben für den Bau des Hamburger Hauptbahnhofes in den Jahren 1899 bis 1906. Die Gebeine zahlreicher prominenter Hamburger wurden zum Teil auf den 1877 eröffneten Ohlsdorfer Friedhof umgebettet und etliche historische Grabmale in Ohlsdorf museal wieder errichtet, zum Teil auf den 1844 erworbenen neuen St.-Jacobi-Friedhof auf dem Peterskamp an der Wandsbeker Chaussee. Als auch dieser – der sechste – St.-Jacobi-Friedhof 1934 geschlossen wurde, gelangten weitere historische Grabmale nach Ohlsdorf.

Die prominenten Toten, über die in dem neuen Eilbek-Buch berichtet wird, sind natürlich auch in Ohlsdorf keine Unbekannten, und so kommt es, dass die Angaben über die Umbettungen und Wiederbeisetzungen ihrer Gebeine im Eilbek-Buch (EB) durch Petra Schmolinske vom Förderkreis Ohlsdorfer Friedhof durch ergänzende Angaben über Beisetzungen in Ohlsdorf und dort vor allem auf dem Althamburgischen Gedächtnisfriedhof (AhGf) angereichert werden können:

Die letzte Ruhestätte der Gebeine von Bürgermeister Christian Daniel Benecke, 1768-1851, (EB, Seite 33), befindet sich auf AhGf, Grabplatte 3.

Der Ingenieur Alfred Brandt, 1846–1899, Erbauer des Simplon-Tunnels, (EB, Seite 30), AhGf , Grabplatte 67.

Der Theologe und vielseitige Gelehrte Johann Georg Büsch, 1728–1800, (EB, Seite 33-34), AhGf, Grabplatte 56.

Johannes Dalmann, 1823–1875, Erbauer des Tidehafens, (EB, Seite 36), AhGf, Grabplatte 35.

Alexander Detmer, 1814–1903, Pastor in St. Georg, (EB, Seite 37), AhGf, Grabplatte 58.

Schauspielerin Clara Horn, 1852–1884, deren eindrucksvolles Grabmal nach wie vor im Jacobi-Park zu sehen ist, (EB, Seite 36), AhGf, Grabplatte 43.

Bürgermeister Heinrich Kellinghusen, 1796–1879, (EB, Seite 33), Ohlsdorf, Lage V 20, 108-10.

Bürgermeister Gustav Heinrich Kirchenpauer,1808–1887, (EB, Seite 33), AhGf, Grabplatte 2.

Bürgermeister Eugen Lehmann, 1826–1901, (EB, Seite 33), AhGf, Grabpl. 3.

Der Kaufmann Ludwig Julius Lippert, 1835–1918, dessen Grabmal abgebildet ist in EB, Seite 33, und in dessen Garten in Harvestehude früher die Figur „Das Schicksal” von Hugo Lederer stand, bevor diese 1956 auf dem Ohlsdorfer Friedhof aufgestellt wurde, AhGf, Grabplatte 81.

Der Klavierbauer Matthias Ferdinand Rachals, 1801–1866, (EB, Seite 33), AhGf, Grabplatte 66.

Abraham Philipp Schuldt, 1807–1882, Begründer der gleichnamigen Stiftung, (EB, Seite 37), Ohlsdorf, Lage AA 22, 163-64.

Die Zeichnerin Ebba Tesdorpf, 1851–1920, (EB, Seite 37), AhGf, Grabplatte 49.

Der Direktor des Berliner Bahnhofs Julius Guido Wolff (†1880) und seine Frau Marianne Wolff, 1819–1886, (EB, Seite 30), AhGf, Grabplatte 67.

Informationen über Grabmale, die vom St.-Jacobi-Friedhof zum Ohlsdorfer Friedhof verbracht und dort museal wieder aufgestellt wurden, liefert uns das zweibändige Werk "Der Hamburger Hauptfriedhof Ohlsdorf – Geschichte und Grabmäler", Band 2 (Katalog).2

Katalog-Nr. 36 bezeichnet den Stein der Bruderschaft der Ewerführer beim alten Krahn. Er wurde in Ohlsdorf im Ämtersteinmuseum, Lage: T 27-28, aufgestellt. Das Grabmal von Johann Georg Büsch, (EB: Foto aus Eilbek von 1935 Seite 34), steht heute in Ohlsdorf im Heckengartenmuseum, Lage: BH 54-55. Das Grabmal des Ingenieurs Johannes Dalmann, Katalog-Nr. 134, (Foto: EB, Seite 36), kam 1960 vom St.-Jacobi-Friedhof nach Ohlsdorf, Lage AA 15, 54-8. Das von dem Bildhauer Engelbert Peiffer geschaffene Grabmal für den Klavierfabrikanten Rachals, Kat.-Nr. 121, (EB, Seite 33), steht heute im Heckengartenmuseum. Das Grabmal Schuldt, 1892 auf dem St. Jacobi-Friedhof aufgestellt, steht seit 1954 in Ohlsdorf, Lage: AA 22, 163-4.

Die Familien der Eilbeker Pastoren Ruckteschell und Remé haben heute noch große Familiengrabstätten in Ohlsdorf. In beiden Fällen wird es hier wahrscheinlich auch Umbettungen vom St.-Jacobi-Friedhof gegeben haben.

1 Michael Pommerening / Karl-Heinz Meier: Eilbek in Wort und Bild, Hamburg 2008
2 Barbara Leisner / Heiko K. L. Schulze / Ellen Thormann: Der Hamburger Hauptfriedhof Ohlsdorf, Hamburg 1990

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