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OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Gedenktage - Felix Graf von Luckner

Felix Graf von Luckner wurde vor 125 Jahren geboren und verstarb vor 40 Jahren am 13. April 1966. Seine Familiengrabstätte befindet sich auf dem Friedhof Ohlsdorf in Hamburg und wird mit einer Liegeplatte abgedeckt, auf der sein Schiff "Seeadler" abgebildet ist (Grablage: AB 13, 89-90).

Vernehmen die Menschen heute den Namen Felix Graf von Luckner, so verbinden sie hiermit meist die abenteuerliche Geschichte um die Kaperfahrt der "Seeadler" während des 1. Weltkrieges, die dem Grafen neben Ruhm und Ehre die Bezeichnung "Seeteufel" einbrachte. Sein gesamtes Leben birgt hingegen deutlich mehr an oft spannenden Episoden. Felix Graf von Luckner entstammte einer Adelsfamilie mit langer Tradition. Ein Urahn war Nikolaus Graf Luckner, der in der französischen Revolution als Oberbefehlshaber der Rheinarmee eine wichtige Rolle spielte. Zu Ehren dieses Luckner wurde einst ein Marsch – das "Kriegslied der Rheinarmee" – komponiert, der unter dem Namen Marseillaise in die Geschichte einging und heute nichts Geringeres als die französische Nationalhymne ist.

Felix wurde im Jahre 1881 auf dem Gut Pennrich bei Dresden geboren. Als Junge riss er von daheim aus und diente sich auf See als Phylax Lüdicke – letzterer war der Mädchenname seiner Mutter – quasi "von der Pieke auf" nach oben. In der Funktion eines Artillerieoffiziers nahm er 1916 an der Skagerrakschlacht teil, bevor ihm ein Geheimkommando übertragen wurde. Ein von den Deutschen gekapertes amerikanisches Handelsschiff wurde zu einem Hilfskreuzer umgebaut. Getarnt als norwegischer Segler sollte das mit einem Hilfsmotor und anderen nützlichen Details wie riesigen Wassertanks und Kanonen ausgestattete und in "Seeadler" umbenannte Schiff die Blockade durchbrechen, mit der die britische Marine das Deutsche Reich vom Nachschub abzuschneiden suchte. Der abenteuerliche Coup gelang, und Luckner versenkte in der Folgezeit ein feindliches Handelsschiff nach dem anderen.

Graf Luckner
Felix Graf von Luckner (Foto: Graf-Luckner-Gesellschaft Halle)

Einmal in der Gewalt des gefürchteten deutschen Feindes erlebten die Gefangengenommenen eine Überraschung, nicht nur, dass Graf Luckner ihr Leben bei der Kaperung nach Kräften zu schonen suchte, nach dem Betreten der feindlichen Planken der "Seeadler" durften sie sich fast wie auf heimatlichem Boden fühlen. Luckner behandelte sie wie Gäste, fair und ritterlich, was ihm Namen wie "Gentleman’s Pirate" oder "Knight of the Sea" einbrachte. Luckners Bemühungen, das Leben seiner Gegner zu schonen, gelang bis auf eine Ausnahme. Bei einem Angriff zerbarst auf dem englischen Frachter "Horngarth" ein Dampfrohr. Vier Seeleute erlitten schwere Verbrühungen, und der Schiffsjunge Douglas Page erlag seinen Verletzungen, nachdem sich die Deutschen redlich um dessen Rettung bemüht hatten. Luckner wird aus diesem Grunde seitens der Familie des Opfers noch heute ehrend gedacht. Der Graf machte später in Vorträgen aus "ein" ein "kein Menschenleben", was seine Kritiker gern aufgreifen und ihn per se als jemanden hinstellen, der grundsätzlich Dinge berichtet, die nicht stimmen; ein Vorwurf, der nicht zu halten ist, wie noch gezeigt werden wird.

Luckners Kaperfahrt endete in der Südsee, wo die "Seeadler" wahrscheinlich durch Unachtsamkeit auf ein Riff geschleudert wurde und verloren ging. Luckner und einige seiner Männer gerieten in Gefangenschaft nach Neuseeland, wo der Graf noch heute recht populär ist; ein erfolgreicher Ausbruchsversuch verstärkte seinen Nimbus eines "Teufels zur See".

Nach dem Weltkrieg bewegte sich Luckner überwiegend als Privatmann. Auf eine entsprechende Bitte hin traf er die Entscheidung, über seine Erlebnisse einen Vortrag in der Saalschlossbrauerei in Halle zu halten. Luckner begann in seinen Worten zu reden, und der Funke sprang auf die Zuhörer über. Der Bann war gebrochen. Das Buch zur Geschichte war schnell geschrieben, und der "Seeteufel" wurde neben einem Bestseller zu dem Buch der Jugend.

Von Tatendrang gepackt, zog es Luckner nach Übersee, um von seinen Erlebnissen auch dort zu berichten, denn die von ihm einst so fair behandelten und teils gar freigelassenen Gegner hatten die Kunde seiner Taten bereits verbreitet. Mit dem Viermastschoner "Vaterland" in den USA angekommen, sprach der Freimaurer Luckner von Völkerverständigung, und viele Zeitgenossen beschrieben ihn als den wahren Diplomaten, als den, der die Herzen der Menschen zu erobern verstand. Sein Buch "Seeteufel erobert Amerika" berichtet über diese Zeit, in der Luckner die wichtigen Persönlichkeiten der neuen Welt traf, hofiert wurde und in den USA eine ungeahnte Popularität erlangte. Er traf Henry Ford, die Familie Rockefeller und andere und wurde vielfach geehrt. Beispielhaft sei die Verleihung der Ehrenbürgerschaft der Stadt San Francisco genannt.

Als Luckner von seiner Fahrt wieder heimkehrte, hatte sich Deutschland abermals verändert. Die Nationalsozialisten waren an die Macht gekommen. Graf Luckner stand als ein Volksheld in einem ganz besonderen Interesse der neuen Machthaber. Diese brauchten solcherlei Personen, um ihre Ideologie bei der breiten Masse hoffähig machen zu können. Luckner allerdings lehnte ab, als man von ihm verlangte, er solle seine Ehrenbürgerschaften zurückgeben. Dennoch hatte er sich wie viele andere auch, die im Lande blieben und nicht ihr Heil in der Emigration suchten oder aus begreiflichen Gründen suchen mussten, zu arrangieren. Ohne offizielle Funktion hing er ab vom Wohl und Wehe der Oberen, die Schicksale bestimmen konnten. Seine zunächst erfolgreiche Gratwanderung verschaffte ihm ein neues Schiff, die "Seeteufel", einen Zweimastschoner. Mit ihm reiste der Graf 1937 u.a. nach Australien und Neuseeland. Teils kritisch beäugt, sollte die Fahrt doch nach offizieller Lesart eine Propagandatour für das neue Reich sein. Sie stand jedoch unter keinem guten Stern. Es zogen sich daheim dunkle Wolken zusammen, die Unheil verkündeten. Luckner sollte mundtot gemacht werden, und kein Geringerer als der Hallenser Reinhard Heydrich hatte hier seine Hand im Spiel. Es wurden Vorwürfe erhoben, die nie – auch nicht während vorgenommener Untersuchungen nach dem Kriege – Bestätigung fanden. Luckner hatte nach seiner Rückkehr hingegen das Leben eines Privatmannes zu führen; öffentliche Auftritte waren ihm untersagt. Der Graf lebte von nun an im Haus seiner Mutter in Halle.

In diese Jahre fällt ein Ereignis, das kaum bekannt ist und seine Darstellung bislang fast nur in seinen Lebenserinnerungen "Aus siebzig Lebensjahren" Erwähnung fand. Hier erwähnt Luckner, im zerbombten Berlin einer Jüdin geholfen zu haben, indem er ihr einen zuvor auf der Straße unter Trümmern gefundenen Ausweis überreichte und ihr dadurch zu einer neuen Identität verhalf. Abenteuerlich und fast wie "Seemannsgarn" klingt diese Geschichte, doch genauere Nachforschungen bestätigen deren Wahrheit, und im Jahre 1959 traf die gerettete Dame hochbetagt während der Aufzeichnung einer Fernsehsendung in den USA gar nochmals auf den Grafen, wo sie ihm – von Gefühlen überwältigt – abermals für ihre Rettung dankte.

Gegen Ende des Krieges fiel Graf Luckner in Halle die Aufgabe zu, bei den vor den Toren der Stadt stehenden amerikanischen Truppen vorzusprechen und sie von dem bereits beschlossenen und seitens der Hallenser erwarteten Bombardement abzubringen. In den Nachmittagsstunden des 16. April 1945 fuhr der Graf zusammen mit einem Begleiter über die Frontlinie. Er konnte durch den Einsatz seiner Popularität erreichen, dass sich die Amerikaner mit einem Teilrückzug zufrieden gaben und auf das Bombardement verzichteten, Halle war gerettet.

Graf Luckner im Jeep
Graf Luckner auf dem Weg zu Verhandlungen (Foto: Graf-Luckner-Gesellschaft Halle)

Für sein Wirken erhielt Felix Graf von Luckner im Jahre 1953 das Große Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Aus den USA wurde einige Jahre später gar der Vorschlag nach Stockholm gesandt, ihm den Friedensnobelpreis zu verleihen, wozu es allerdings nicht kam. Graf Luckner verstarb im Jahre 1966 in Malmö/Schweden, der Heimat seiner Ehefrau. Seine Beisetzung in Hamburg erwuchs in ihren Ausmaßen zu einem Staatsbegräbnis. Nicht nur tausende Bürger gaben ihm das letzte Geleit, unter den Ehrengästen befanden sich viele Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens.

Auflistung alle Artikel aus dem Themenheft Religiöse Symbolik auf Grabmalen (Februar 2006).
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