OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

4. Symposium der FUNUS Stiftung mit aktuellen Fragen zur Bestattungskultur im Leipziger KUBUS (Tagungsbericht)

 - August 2014
Ausgabe: 
Nr. 126, III, 2014

Es ist inzwischen zu einer Institution geworden und lockt Fachleute aus der gesamten Bestatterbranche an: Das alljährlich stattfindende Symposium der FUNUS Stiftung mit aktuellen Fragen zur Bestattungskultur.

In diesem Jahr hat man den Termin bewusst nicht in den November gelegt, sondern den 15. Mai gewählt. Die große Beteiligung zeigt, dass das Frühjahr ein ebenso passender Zeitpunkt für ein solches Symposium ist.

Der diesjährige Titel "Wo brennt´s?" stand ganz im Fokus der Feuerbestattung und war wieder mit namhaften Referenten besetzt. Den Anfang machte Matthäus Vogel, Leiter des Friedhofs- und Bestattungsamtes in Karlsruhe mit dem Thema "Schrank, Speicher, Sperrmüll – Wohin mit der Urne?". Dazu setzte er sich zunächst mit dem Friedhofszwangs auseinander und machte sehr selbstkritisch zu einem Großteil die Fachleute für etliche Missstände verantwortlich. So machte er unter anderem die strenge Taktung und Terminvergabe für die seit Jahren rückläufige Nutzung der Trauerhallen auf den Friedhöfen verantwortlich. Er stellte ganz klar heraus, dass der Friedhof durchaus und immer noch ein würdiger Ort sei. Die Wünsche und Bedürfnisse der Nutzer und der Bürger seien jedoch unbedingt zu berücksichtigen. Des Weiteren sei es gerade in wirtschaftlich schlechter werdenden Zeiten notwendig, auch kostenfreie Angebote von Grabanlagen zu schaffen. Auch Friedhöfe seien unbestreitbar Kulturgüter. Warum also bestehe ein Unterschied zu anderen, subventionierten Kulturgütern wie zum Beispiel den Theatern? Wie wertvoll sind der Politik und der Gesellschaft Friedhöfe? Wenn der Staat zum Thema Friedhofszwang keine Meinung habe, dann sei der Bürger gefragt.

Die Feuerbestattung hat maßgeblich zur Entwicklung der Bestattungskultur beigetragen und ermöglicht viele Beisetzungsarten. So ist die Grabpflege bei der Feuerbestattung zumeist unwesentlicher als bei der Erdbestattung, und auch der Anteil der anonymen Bestattungen ist bei der Feuerbestattung höher. Ebenso hat der Wettstreit der Krematorien und vieler anderer in der Bestattungsbranche Auswirkungen, mit denen gerade Friedhöfe zunehmend zu kämpfen haben. Dabei stellt sich aber immer die Frage: Was wollen die Menschen?

Die provokante Frage "Fußball auf dem Friedhof – Wie können Freiflächen genutzt werden?" stellte Dipl.-Ing. Christina Stoffers aus Petershagen. Ihre kurze und bündige Antwort darauf: Freiflächen sollten kreativ, angemessen und effektvoll genutzt werden. Damit Menschen auf den Friedhof kommen, ist es notwendig, die ihre aktuellen Bedürfnisse zu kennen: Naturnähe, aber in gepflegter Form, Parkatmosphäre, behutsame Umwandlung, Gestaltungsvielfalt und Pflegefreiheit waren dabei Stichworte. Das Angebot sollte erweitert werden, z.B. durch pflegefreie Angebote von Grabanlagen (Rasengräber, Baumgräber, Gemeinschaftsgrabfelder, Themengräber und Gedenkgärten), Öffentlichkeitsarbeit und Bürgerinformation, Öffnung des Friedhofs für zusätzliche, alternative Nutzungen, wie zum Beispiel Friedhof als Park, optische Öffnung der Einfriedung, Beleuchtung und Vermeidung der strengen Wegführungen.

Den Friedhof in die Freizeit zu integrieren ist ein weiterer Punkt, um ihn wieder und mehr in den Alltag einzubinden. Attraktive Sitzgelegenheiten mit Tischgruppen, Joggingrouten, Picknickwiesen, Schachbrettplätze, Boule-Bahnen, Sandspielbereiche sowie Schaukeln sind einige Beispiele; Barrierefreiheit ist ein weiterer wichtiger Punkt, der oft unberücksichtigt bleibt; Sinnesgarten zur Anregung der menschlichen Sinne, öffentlicher Bücherschrank, Naschgarten und Apothekergarten sind weitere Beispiele, die die Berührungsängste zum Friedhof abbauen und die Tabus zu den oft verdrängten Themen mindern können. Ein philosophischer und künstlerischer Anspruch in Form von Spruchtafeln und Skulpturen wertet jeden Friedhof auf. Angebote wie zum Beispiel Führungen schaffen genauso Verbindung zum Friedhof wie auch Sponsoring bezüglich themenbezogener Projekte und Spendenaktionen. Alle diese Beispiele könnten die Integration des Friedhofs in den Alltag der Bürger anregen. Allerdings gehört zu ihnen unbedingt Öffentlichkeitsarbeit, damit sich die Menschen mit solchen neuen Nutzungen identifizieren können.

Funustagung
Die Tagungsteilnehmer lauschen einem der Vorträge. Foto: M. Bieder

"Endstation Grüne Wiese – Welche Fragen eröffnet die anonyme Bestattung?" war das Thema von Prof. Dr. Norbert Fischer aus Hamburg. Dazu stellte Fischer eingangs dar, dass die anonyme Bestattung keine Erfindung der Neuzeit ist, sondern bereits zu allen Zeiten stattgefunden hat. Die anonyme Urnenbeisetzung hat zum Phänomen des Grünen Rasens auf den Friedhöfen geführt. Die Negierung der Erinnerung, Kostengründe und die Vermeidung von Grabpflege sind dabei nicht selten vorgeschobene Beweggründe. In den letzten Jahren ist eine Abkehr von den bisherigen Beweggründen und der Trend zur Wahl der Bestattungsart als Frage des Lebensstils zu beobachten. Individualisierung, die Hospizbewegung und der gesellschaftliche Wandel (z. B. verminderte Ortsansässigkeit, Patchworkfamilien) sind einige der wesentlichen Faktoren. Erste namentliche Nennungen brechen die Anonymität wieder auf, Public Mourning – die öffentliche Trauer – lässt Betroffenheit zu, so dass neue Gestaltungskonzepte auf der Bildfläche erschienen sind. Dieser Trend ist sogar bei der Seebestattung mit ersten Gedenktafeln an der Küstenregion zu beobachten (z. B. Seefrieden in Wilhelmshaven).

Barbara Funke und Christian Conrad, Mitarbeiter der Firma Metall Service Pedack GmbH aus Karlsruhe, beschäftigten sich mit "Recycling der Totenasche – Was passiert mit Wertstoffen?". Ihre Firma ist ein Entsorgungsfachbetrieb, der Mischmetalle annimmt, analysiert und trennt, die bei den Krematorien anfallen. Danach können sie eingeschmolzen und in den Wirtschaftskreislauf rückgeführt werden.

Helmut Kaczmarek von der Firma Dr. Födisch Umweltmesstechnik AG aus Markranstädt beleuchtete das Thema des Immissionsschutzes für Krematorien. Das Unternehmen entwickelt Messgeräte und Messsysteme. Dazu bietet es Service in allen Fragen der Umwelttechnik für Verbrennungsanlagen. Vom Gesetz werden den Krematorien kontinuierliche Messungen abverlangt. Ab 2015 kommen weitere Analyseverfahren hinzu, an deren Umsetzung derzeit gearbeitet wird. Für die Nachbarschaft bedenkliche Ausstöße kommen nicht beziehungsweise sehr selten vor.

Als letzter referierte Prof. Dr. Dr. Tade Spranger aus Bonn über "Indoorfriedhöfe – Kolumbarien für jedermann?". Dabei zeigte er auf, wie schwierig oder auch einfach es ist, privat betriebene Kolumbarien zu eröffnen. Da Kolumbarien spezialgesetzlich nicht geregelt sind, sondern nur durch allgemeine Vorgaben der Landes- und Bestattungsgesetze Beachtung finden, ist hier ein gewisser Spielraum gegeben.

Am Ende des Symposiums wurde das "Handbuch des Feuerbestattungswesens" vorgestellt, das gerade im Boorberg Verlag erschienen und von Prof. Dr. Dr. Tade Spranger sowie Frank Pasic und Michael Kriebel von der Flamarium Saalkreis GmbH & Co. KG herausgegeben worden ist. Das Fachbuch behandelt so gut wie alle Themen, die im Bereich der Feuerbestattung von Bedeutung sind.

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