OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur

Einweihung der Gedenkstätte für die Verstorbenen von den Alten Friedhöfen

 - August 2006
Ausgabe: 
Nr. 94, III, 2006

Bei der baulichen Erweiterung des Congress Center Hamburg (CCH) am Dammtor kamen im Sommer 2005 in größerer Tiefe überraschend viele Gebeine ans Tageslicht.

Diese stammten von den alten Friedhöfen Hamburgs, die ab 1794 vor dem Wallring belegt wurden und die nach Anlage des Ohlsdorfer Friedhofs 1877 zwischen 1879 bis 1882 geschlossen wurden, da unsere Hansestadt über ihre Mauern hinauswuchs.

Überraschend war die große Zahl von Gebeinen von etwa 12 000 unserer Vorfahren. Erst im Verlauf der Bergung wurde klar, dass hier zwei übereinander gelagerte Friedhöfe entdeckt wurden: Der tiefer gelegene war belegt mit den Toten des um 1250 geschaffenen gotischen Doms, der – uns heute unverständlich – zwischen 1804 und 1807 abgebrochen wurde, da er zum Schluss dem Kurfürstentum Hannover gehörte und baulich zerfiel. Unter seinen Kirchenschiffen und Kapellen hatten sich in Jahrhunderten unzählige Gläubige beerdigen lassen, deren Gebeine beim Domabbruch gefunden wurden. Diese menschlichen Überreste wurden ab 1804 vor dem Dammtor beigesetzt – und dort vergessen! Über diesem Altfriedhof legte man einen neuen Friedhof (St. Petri) an, der Ende des 19. Jahrhunderts geschlossen wurde. Zum Gedenken an diese Menschen, die lange vor uns in unserem Hamburg gelebt und es geformt haben, wurde von der Hamburger Friedhöfe AöR und dem CCH eine neue Gemeinschaftsgrabstelle auf dem Öjendorfer Friedhof gestiftet, dazu ein Findling, der aus Skandinavien als Schiffsfracht über See und Hafen nach Hamburg kam. Er erinnert damit an die wirtschaftliche Grundlage unserer Hansestadt, die unseren Vorfahren ebenso am Herzen lag, wie sie uns auch heute wichtig ist.

Gedenkstein
Gedenkstein für die Verstorbenen von den Alten Friedhöfen (Foto: Mauss)

Auf dem Findling ist eine altrömische Grabinschrift wiedergegeben:

ERAMUS QUOD ESTIS – ERITIS QUOD SUMUS

Exakt übersetzt: Wir waren, was ihr seid – ihr werdet sein, was wir sind. Mit diesem antiken Grabspruch wird die Verbindung zu den Gebeinen und uns Lebenden hergestellt. Weniger als Mahnung an unsere Vergänglichkeit als vielmehr zur Erinnerung daran, dass wir unsere Welt auf Leistung aufbauen, die von Bürgern erbracht wurden, die lange vor unserer Zeit gelebt haben. Dieser kulturhistorische Brückenschlag zu unseren Vorfahren wird immer mehr vergessen, obwohl wir ohne dieses Fundament unsere jetzige Lebensform nicht hätten aufbauen können! Diese Gedanken klangen in den Reden der Herren Lutz Rehkopf (Hamburger Friedhöfe AöR), Bernd Aufderheide (CCH) und Professor Dr. Rainer-Maria Weiss (Direktor des Helms-Museums für Archäologie und die Geschichte Harburgs) deutlich mit. Der Respekt vor diesen Toten war der Grund, dass es zu einer würdigen Neubestattungsfeier kam. Musik und der Segen eines Priesters beendeten diese historische und beseelte Feierstunde.

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