Bedenkt den eignen Tod,
den stirbt man nur.
Doch mit dem Tod der anderen
muss man leben.
OHLSDORF - Zeitschrift für Trauerkultur
Siegfried Völlger (Hg.): Überlass es der Zeit – Gedichte für Trauernde, Worte zum Trost.
Ausgabe: Nr. 103, IV, 2008 - November 2008
Autor: Helmut Schoenfeld (Rezensent)
Sanssouci im Carl Hanser Verlag. München 2008, 144 Seiten
Von Friedrich Schiller und Johann Wolfgang Goethe über Wilhelm Busch bis hin zu Ernst Jandl und Robert Gernhardt haben sich alle großen Dichter mit Trauer und Trost auseinandergesetzt. Diese reiche und einfühlsame Auswahl versammelt nachdenkliche und tröstende Gedichte über das Leben, zu dem auch das Abschiednehmen gehört. Eine wunderbare Anthologie für alle, die nach den richtigen Worten suchen und Trost brauchen, so der Klappentext des Verlages.
Fürwahr eine wunderbare Anthologie, dieses Buch. Es regt zum nachdenklichen Lesen an, und man legt es nicht gleich wieder aus der Hand. Dennoch, wo findet der Trauernde hier Trost? Welches Gedicht bietet passende Worte? Und welcher der ausgewählten Dichter hat seine Verse wirklich im Angesicht eines zu erwartenden Todes oder der danach eintretenden Trauer geschrieben? Für den Leser wäre es hilfreich gewesen, die Entstehungsgeschichte der ausgesuchten Dichtung zu kennen, Voraussetzung für eine literarisch unterstützte Trauerarbeit mit Hilfe derer, die Gleiches erfahren haben. Und, nicht nur der Zeit darf man die Trauer überlassen. Man sollte sich auch mit ihr auseinandersetzen. Diese Anthologie wird nicht für jeden betroffenen und suchenden Leser eine Quelle des Trostes sein.
Titelthema: Ohlsdorf und seine Dichter
Heft-Rubrik: Neue Bücher

